Drei Perspektiven, ein gemeinsames Bild

Die detaillierte Betrachtung der HVSC aus den Perspektiven der Ludomusikologie, der digitalen Musikwissenschaft und des digitalen Kulturerbes unterstreicht die in der Einleitung der Masterarbeit dargestellten Forschungslücken und Potenziale.

Wer liefert was: Die drei Bausteine im Überblick

Eine zusammenfassende Betrachtung dieser Perspektiven offenbart, dass die identifizierten Forschungslücken stark miteinander verknüpft sind und einen interdisziplinären Ansatz erfordern. Ein umfassendes Verständnis erfordert die Integration der jeweiligen Stärken:

  • Game Studies und Ludomusikologie liefern das „Warum“: Sie erklären den kulturellen Kontext der Musik, ihre Beziehung zum Gameplay, zur Demoszene und zu den Fankulturen. Dieser Kontext ist unerlässlich, um sinnvolle musikwissenschaftliche Forschungsfragen zu formulieren. Sie haben die Ästhetik des Chiptune beschrieben und seinen Wert als kulturelles Phänomen etabliert.

  • Digitales Kulturerbe liefert das „Wie (archivieren)“: Diese Disziplin bietet die theoretischen und praktischen Rahmenbedingungen für die Auseinandersetzung mit der Langzeitarchivierung, der Ethik des Zugangs und den rechtlichen Herausforderungen von „born-digital“, gemeinschaftlich kuratierten Inhalten. Sie stellt die entscheidenden Fragen nach der Nachhaltigkeit und dem rechtlichen Status des Archivs.

  • Digitale und computergestützte Musikwissenschaft liefert das „Wie (analysieren)“: Sie verfügt über die Methoden für großangelegte, datengesteuerte Analysen, mit denen die von den Game Studies aufgestellten Theorien überprüft und quantitativ untermauert werden können.

Digital-Humanities Einordnung

Diesen Ansatz versucht die Arbeit mit ihrer Einordnung in das Feld der Digital Humanities letztendlich auch abzubilden und zu berücksichtigen.

Ohne den Kontext der Ludomusikologie und Game Studies wäre eine computergestützte Analyse nur eine bedeutungslose Verarbeitung von Zahlen.

Ohne die Werkzeuge der digitalen Musikwissenschaft bleiben die Theorien der Game Studies spekulativ und auf Einzelbeispiele beschränkt.

Und ohne die Erhaltungsstrategien und rechtlichen Rahmenbedingungen des digitalen Kulturerbes könnte das gesamte Forschungsobjekt verschwinden oder für die Wissenschaft unzugänglich bleiben. Die HVSC liegt genau im Schnittpunkt dieser Felder.