Ein aufstrebendes Forschungsfeld etabliert sich
Das Forschungsfeld der Ludomusikologie, als ein aufstrebendes Teilgebiet der digitalen Musikwissenschaft, widmet sich der systematischen Erforschung von Musik in Videospielen. Panels auf Fachtagungen wie z.B. der GFM 2024 (“Videospiele als Gegenstand der Musikforschung”) zeugen von der Relevanz dieses Feldes und dem wachsenden Interesse. die Ludomusikologie integriert dabei Methoden der Musikwissenschaft, der Game Studies und der Digital Humanities, um die komplexen Funktionen und Wirkweisen von Musik in interaktiven digitalen Umgebungen zu analysieren.
Musik als Atmosphäre und Spielmechanik
Ein zentraler Aspekt der Ludomusikologie ist die Untersuchung der ästhetischen und funktionalen Dimensionen von Spielemusik. Hierzu gehören Analysen der adaptiven und interaktiven Musikgestaltung, die sich an das Spielgeschehen anpasst und somit maßgeblich zur Immersion und zum Spielerlebnis beiträgt. Die Forschung beleuchtet dabei, wie Musik als Signal, zur Atmosphärengestaltung oder zur narrativen Unterstützung eingesetzt wird. Auch die Entwicklung und der Einfluss von Chiptune-Musik, die aus den technischen Limitationen früher Computersysteme entstand, werden als eigenständiges Genre und kulturelles Phänomen innerhalb der Ludomusikologie betrachtet.
Von Synthesizer-Klängen zu Orchesterpartituren
Die Ludomusikologie befasst sich weiterhin mit der historischen Entwicklung und den technischen Abhängigkeiten von Spielemusik. Dies umfasst die Erforschung der Evolution von Audiotechnologien in Spielen, die von frühen Synthesizer-Klängen bis zu komplexen Orchesterpartituren reichen. Erwähnenswert ist hier besonders das DFG-Projekt “Heimcomputermusik” an der HMT Leipzig. Dieses untersucht die Geschichte, Hard- und Software sowie Nutzer:innen der Heimcomputermusik der 1980er Jahre, einschließlich des C64 und SID.
Digitale Archäologie: Born-Digital-Erbe sichern
Ein weiteres Forschungsfeld ist die digitale Archäologie und Edition von “Born-Digital”-Materialien, zu denen auch frühe Videospielmusik gehört, um deren Erhalt und wissenschaftliche Aufarbeitung zu gewährleisten.
Die unerforschte C64-Chiptune-Musik
Methodologisch profitiert die Ludomusikologie von den Ansätzen der digitalen Musikwissenschaft, indem sie computergestützte Analysen für musikalische Korpora von Videospielmusik einsetzt. Dies ermöglicht beispielsweise die Untersuchung von Mustern und Stilen sowie die automatische Erkennung und Transkription von Spielemusik.
Es ist jedoch auch festzustellen, dass obwohl das Feld der computergestützten Musikanalyse in Verbindung mit der Ludomusikologie wächst, quantitative Analysen von Videospielmusik noch eine Forschungslücke darstellen. Dies gilt insbesondere für die High Voltage SID Collection (HVSC) und den spezifischen musikalischen Praktiken der C64-Chiptune-Musik, die hier einzuordnen sind.
Bisherige Forschung in der Ludomusikologie konzentriert sich in Bezug auf die C64-Chiptune-Musik vielmehr auf die Demoszene, Technik oder einzelne Stücke. Es fehlen systematische, umfassende quantitative Analysen der Musik selbst. Die Arbeit zielt daher darauf ab, diese Lücke zu adressieren.
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Games Studies und Ludomusikologie
- Becker, M. (2024, September 12). GFM 2024 - Freies Symposium: Videospiele Als Gegenstand Der Musikforschung. GFM 2024 - Conftool. https://www.conftool.net/gfm2024/index.php?page=browseSessions&form_session=430&presentations=show
- Burghardt, M., & Niekler, A. (2022). Digital Humanities, Game Studies and the Language of Gaming.
- Burghardt, M., & Piontkowitz, V. (2024). Computational Game Studies? Drei Annäherungsperspektiven. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10698402
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- Hust, C. (2018). Digitale Spiele: Interdisziplinäre Perspektiven zu Diskursfeldern, Inszenierung und Musik. In Digitale Spiele. transcript Verlag. https://doi.org/10.1515/9783839440025
- Iantorno, M. (2020). GameSound, Quantitative Games Analysis, and the Digital Humanities. Digital Studies / Le Champ Numérique, 10(1). https://doi.org/10.16995/dscn.319
- Moormann, P. (2018). Musik in Computerspielen. In H. Schramm (Ed.), Handbuch Musik und Medien: Interdisziplinärer Überblick über die Mediengeschichte der Musik (pp. 1–12). Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-658-21943-7_8-1
Methoden und Analysen
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- Ibrahim, J. (2023). Video Game Music and Nostalgia : A look into leitmotifs in video game music. https://urn.kb.se/resolve?urn=urn:nbn:se:du-46122
- Medina-Gray, E. (2019). Analyzing Modular Smoothness in Video Game Music. Music Theory Online, 25(3). https://doi.org/10.30535/mto.25.3.2
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Digitale Archäologie
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Tools
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Commodore 64 und Chiptunes
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- Roper, P. (1984). Machine Code Games Routines for the Commodore 64: Essential Routines for Game Design (Reprint). Sunshine Books.
- Schröter, J., & Höltgen, S. (2024). Commodore 64 – Past, Present, and Future of a Home Computer (Symposium). Uni Bonn - Abteilung Medienwissenschaft. https://www.medienwissenschaft.uni-bonn.de/tagungen/commodore-64-past-present-and-future-of-a-home-computer